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Die historischen "Limpericher Berge": Lintberg und Vinkenberg
 
Mittelalterliche Urkunden geben Aufschluss

  Von Carl J. Bachem*)

Der Ort Limperich gehört zu den ältesten unseres Raumes. Schon im Jahre 922 wird er zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt: Das Kölner Kloster der 11000 Jungfrauen besaß hier einen Weinberg. Nur kurze Zeit später, im Jahre 966, ist in einer weiteren Urkunde von hiesi­gen Ländereien des Aachener Marienstiftes die Rede. Wein war zu jener Zeit ein kostbares Gut, Weinberge im Rheintal zu besitzen, daher sehr erstrebenswert. Unser Ort wird in diesen Urkunden als "Lintberg" bzw. "Limberg" bezeichnet, (was die sprachliche Nähe der Buchstaben nt vor dem Buchstaben b zum Buchstaben m verdeutlicht). Im 13. und 15. Jahrhundert wird - in weiteren Urkunden - aus "Limberg": "Limperg" (1297) und "Lympurch" (1436). Für den, der Rheinisch versteht, ist es dann kann weiter Weg zum heutigen "Limperich" mehr: "berg" (berk) wird ja typischerweise als "be-rich" gesprochen.

Der Ortsname Limperich leitet sich also von dem mittelalterlichen "Lintberg" her und bedeutet Linden-Berg, allerdings auch (ge)linder, also kleiner Berg. Beides lässt sich gut begründen. Denn Linden waren seinerzeit bereits auch in unserer Gegend eine verbreitete Baumart, und, gemessen an den benachbarten weit höheren Erhebungen des Siebengebirges, stellte der Finkenberg, selbst vor seinem Abbau, nur eine leichte Anhöhe dar.

Stutzig macht allerdings, dass außer diesem frühen "Lintberg" auch relativ früh bereits ein "Vinkenberg" erwähnt wird, nämlich in einer ersten bekannten Urkunde von 1166, die von einem hier gelegenen Hof der Abtei Siegburg handelt. Das mittelhochdeutsche Wort "Vinke" meint in der Tat nichts anderes als den Vogel Fink, zu dessen Familie die Ornithologen allerdings auch eine ganze Reihe weiterer Vögel zählen, so dass die Namensdeutung ganz all gemein als "Vogelberg" nahe liegt.

Wieso aber ein Lind-Berg (oder Linden-Berg) und ein Finken(Vogel)berg nebeneinander? Sollte es in unserer Gemarkung etwa mehrere Berge gegeben haben, worauf immerhin auch alte Flur- ­und Gewannbezeichnungen hindeuten: "In den Limpericher Bergen", "Am Giersberg" (=spitzer Berg), "Am Grauen Stein" und "Am weißen Stein" (Stein = Berg)?

Bis zum Beginn der Steinbrucharbeiten um die Mitte des 19. Jahrhunderts war die nördliche Hälfte des Finkenbergmassivs von einem rund 30 Meter hohen Kegel bekrönt (knapp 120 Meter hoch), dessen Spitze heute über dem Sportplatz zu suchen wäre (höchste Höhe heute rd. 95 Meter). Über der südlichen Hälfte dagegen, heute durch einen tiefen Steinbruch-"Krater" und rekultivierte Müllhalden charakterisiert, fanden sich vier wesentlich niedrigere Anhöhen. Beide Hälften waren an ihrer Westseite auf halber Höhe (heutiger Straßenzug Am Finkenberg bis zum südlichen Ende des. Weinbergweges) durch eine breit gelagerte Terrasse miteinander verbunden, die landwirtschaftlich genutzt wurde.

Das ehemalige Gesamtmassiv wäre demnach in seinem nördlichen Teil als steil, schroff und unwirtlich zu beschreiben - wie es auch Ansichten des 19. Jahrhunderts deutlich zeigen -, mithin der historische "Vinkenberg", und in seinem südlichen und südwestlichen Teil dagegen zwar als leicht hügelig, insgesamt aber als flacher, "zarter" und "milder" - so wie er sich auch heute in etwa wieder darstellt -, der historische "Lintberg" also. Im Bereich dieses Lintbergs lag die mittelalterliche Burg der Herren von Limperich (heute Ruine), mit einem (heute verschwundenen) Landwirtschaftsbetrieb, und darunter erstreckten sich bis zum alten Rheinarm, der "Maar", die bescheidenen Anwesen von Limperichs kleinen Bauern und Weingärtnern

  *) Quelle: Carl J. Bachem, "Senioren-Begegnungsstätte Limperich", 4. Ausgabe, Bonn 2003.
      Der Autor ist Vorsitzender des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch / Haus Mehlem e. V.

 

 

 

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