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"Bonnissimo" General Anzeiger vom 29.Juli 2003 von Sylvia Binner und Volker Lannert (Fotos)

 

 

Die grüne Insel, auf der Napoleon Strategien wälzte

Naherholung: der Finkenberg hat bessere Zeiten gesehen, bevor ihn der Basalt- Abbau in eine Mondlandschaft verwandelt hat. Doch heute gilt der Vulkan, auf dem früher sogar Wein wuchs, als überraschende Idylle in der Stadt

Eine grüne Insel in der Stadt - selten trifft das oft strapazierte Klischee wirklich zu. Doch der Limpericher Finkenberg lässt sich kaum treffender beschreiben. Dabei schien es in den zwanziger Jahren so, als habe der Vulkankegel seine besten Zeiten hinter sich. Anstelle einer idealen Pyramide blieben nur zerklüftete Krater, als die Steinbruch-Gesellschaft mit dem Finkenberg fertig war. Eine Mondlandschaft, die in Jahrzehnten zur wilden Müllkippe verkam. Bis schließlich Politiker den Finkenberg in den Landschaftsplan Ennert eingliederten, um seine Überreste zu retten.

Für Hans-Heinz Schneider, den Bürgervereinsvorsitzenden von Limperich, nichts weiter als "ein bürokratischer Akt". Denn, so seine Kritik, die er seit Jahren immer wieder den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung vorträgt, der Finkenberg wird nicht ausreichend gepflegt. "Wir hatten zunächst die Hoffnung, dass der Inhalt des Plans auch umgesetzt wird", sagt Schneider, der selbst auf dem Finkenberg wohnt. Sein. Garten grenzt direkt an eines der Wäldchen, die sich auf der zerfurchten Landschaft breit gemacht haben. Efeu bedeckt den Boden unter den Bäumen, dazwischen immer wieder Plastik und andere Abfälle. "Es ist als ob die alte Müllkippe, die nie richtig abgedichtet wurde, wieder hervorkommt", klagt Schneider.

Aber auch die umgestürzten oder gar gefällten Bäume sind ihm ein Dorn im Auge. "Es gelten zwei verschiedene Spielregeln", erläutert der Bürgervereinsvorsitzende die Zuständigkeiten auf dem Finkenberg. Für einen kleinen Teil der Fläche ist die Stadt zuständig, während der Rest in die Oberhoheit des Försters fällt. Und der teilt Schneiders Auffassung anscheinend nicht, dass der Wald in einem Naherholungsgebiet bis ins Unterholz aufgeräumt sein muss.

Das hat Schneider inzwischen sogar schriftlich bekommen. Und zwar von Bonns Stadtbaurat Sigurd Trommer, der ebenfalls in der Nachbarschaft wohnt. Nachdem sich Schneider mit seinen Sorgen um den Finkenberg in einem Brief an Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann gewendet hatte, gab es einen Ortstermin. Mitarbeiter der Stadtverwaltung sahen sich mit Schneider das Gelände an. Und wenig später fasste Trommer die Ergebnisse zusammen: Die Bewirtschaftung der 20,6 Hektar Waldfläche "erfolgt nach den Grundsätzen einer naturnahen Waldbewirtschaftung wie im" übrigen Stadtwald". Pflegemängel seien bei der Begehung nicht festzustellen gewesen. "Die Pflege erfolgt in Form von Durchforstungen, die wegen Personalmangels in etwa zehnjährigen Intervallen durchgeführt werden. Das anfallende Reisig und Holz verbleibt aus ökologischen' Gründen in den Beständen. "

Weitergeholfen hat die Stadt Schneider hingegen, was die Schutzhütte auf der Wiese nahe dem so genannten "Hexentanzplatz" angeht. Sie ist inzwischen verschwunden, nur noch der gepflasterte Kreis, auf dem sie stand, erinnert an das Häuschen, das ein beliebter Treffpunkt der Jugendlichen war. Allerdings auch immer wieder angezündet wurde. Das Geld für den Wiederaufbau der Brandruine fehlte, nun ist sie verschwunden. Was noch lange nicht heißt, dass es auf dem Finkenberg nicht mehr brennt. Auf den gerade in diesem Sommer trockenen Wiesen beweisen Asche, Holzreste und verbranntes Gras, dass dort so manches Feuerchen angezündet wird. "Gerade am Wochenende", sagt Schneider, der mit seiner Frau schon sorgenvoll beobachtet hat, wie hoch die Flammen schlagen. Drumherum bleibe der Müll liegen. Ein Problem, dass sich noch verschärft habe, seitdem es die Mc Donald's Filiale an der Königswinterer Straße gebe, meint der Bürgervereinsvorsitzende beobachtet zu haben. Mülleimer sind dagegen auf dem Finkenberg Mangelware. Und einer der wenigen, die es gibt, ist mit einem Hakenkreuz beschmiert.

Überraschend ist die Aussicht über die Stadt, bis hin zu ihrem neuen Wahrzeichen, dem Post-Tower. Und der Finkenberg bietet noch weit mehr: Einer der alten Steinbrüche dient heute Bad Godesberger Anglern als Paradies. Märchenhaft ist er mit Seerosen überwuchert, an seinem Ufer stehen Bänke. Nur ein Stückchen weiter nutzen Mountainbiker das ideale Relief der Landschaft, für halsbrecherische Kurzabfahrten. Auf dem Plateau des Finkenbergs, der vor dem Basaltabbau gut 30 Meter höher war und auf dem 1811 sogar Napoleon die strategische Entscheidung über die Lage seiner Festung ausgeklügelt haben soll, kicken heute Vereine auf dem Sportplatz. Und am anderen Ufer des verwunschenen Seerosenteichs liegt das Zillertal mit seiner Siedlung. Aus der Burg halten die Amateurfunker Kontakt in alle Welt. Selbst der Hang, auf dem Müller-Thurgau und Blauer Portugieser wuchsen, ist zu erkennen, weil ein Teil seiner Trockenmauern wieder existiert.

 

 

 

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