Home    Vorstand    Satzung    Termine    Aktivität    Finkenberg    Mitgliedschaft    Projekt Weinberg    Mail    Impressum

 

 

Neue Terrassen für Wein und Milchsterne
(von Walter Schmidt in GEO 09 September 2005, Beilage GEO das Magazin zum Tag der Artenvielfalt, S. 8-9 www.geo.de)

Fünfzig Jahre war der Limpericher "Wingert" zugewuchert. Nun rekultiviert der Bürgerverein den über 1000-jaährigen Weinberg aus eigener Kraft

Nicht der Hund ist hier begraben, sondern das Pferd. "Ein Schimmel war es", sagt Karl Wengenroth und weist mit dem Finger auf die Delle im Boden, wo das Erdreich über dem Kadaver nachgesackt ist. Der Gaul hatte sich seinen Hafer jahrelang in einem Weinberg im Bonner Stadtteil Limperich verdient. Als das Pferd starb, hat es der letzte hier tätige Winzer, Maximilian Breuer, kurzerhand auf einer Weinberg-Terasse begraben.

Die letzten Trauben am Finkenberg las Breuer im Herbst 1954, weil die Qualität des Spätburgunders aus dem Bonner Osten damals merklich unter der nahen Zementfabrik litt: Ihr Staub bedeckte die Reben und ließ sie schwächeln. "Das war der Todesstoß für den Weinberg", bedauert Wengenroth.

Doch der umweltbewegte Vorsitzende des Limpericher Bürgervereins wollte einen Neubeginn auf dem mit Kräutern, Buschwerk und Bäumen zugewucherten Wingert. Gemeinsam mit Gleichgesinnten verteidigte er den schon im Jahr 922 erstmals erwähnten Weinberg gegen Pläne, hier Wohnhäuser oder einen Freizeitpark zu errichten.

Seit 2004 winden sich hier die ersten 75 neuen Reben an Pfählen in die Höhe. Als Rebsorte wurde "Spätburgunder-Regent" ausgewählt, weil sie dem Echten und dem Falschen Mehltau-Pilz gut widerstehen kann. Spritzattacken mit Pestiziden verbieten sich - schließlich soll hier ein roter Öko-Tropfen reifen und im Herbst 2007 erstmals gekeltert werden.

Mit den Themen Wein und Lokalgeschichte hat der Gärtner- und Floristenmeister Wengenroth die Menschen vor Ort für den Schutz der Kulturlandschaft erwärmt. Kleine Schilder nennen den Namen des jeweiligen Reben-Paten, der meist eigenhändig dabei geholfen hat, missliebiges Gestrüpp zu beseitigen oder eine Terrassenmauer aus dunklen Basaltbrocken aufzuschichten. Wo Bäume stehen, müssen die Trockenmauern noch vom Efeu befreit werden.

Zusammen mit den Fachleuten der Biologischen Station Bonn und dem städtischen Umweltdezernat zielt er darauf, dass sich eine für Weinberge typische Flora wieder ansiedelt. Erwünscht sind beispielsweise der Doldige Milchstern (Ornithogalum umbellatum), die Weinbergs-Trauben Hyazinthe (Muscari neglectum) oder die Wilde Tulpe (Tulipa sylvestris) - Pflänzchen, die sich bei der auf Südhang-Weinbergen üblichen Wärme und Trockenheit wohlfühlen.

Am GEO-Tag der Artenvielfalt hat der Limpericher Bürgerverein Interessierte zum Festplatz auf der obersten Wingert-Terrasse geladen. Von hier ziehen Biologen mit Kindern und Erwachsenen los, um Insekten und Pflanzen zu bestimmen. Sie beäugen Graswanzen, Gemeine Grashüpfer und eine Roesels Beißschrecke, die durch ihre weißgerandeten Halsschild-Seitenlappen zu identifizieren ist, wie Ulrich Sander von der Bonner Bio-Station erklärt.

Wenn der Weinberg rekultiviert ist, wird er andere Insektenarten anlocken: den Steppengrashüpfer womöglich, die Westliche Beißschrecke oder die Blauflügelige Ödlandschrecke. Mauereidechsen fühlen sich längst wohl hier und wuseln auf den Weinbergmauern umher. "Was meint ihr ,wie gut die sich in den Ritzen verstecken können?", fragt Karl Wengenroth einige Kinder. Neugierig spähen sie in die Klüfte zwischen den sonnenheißen Steinen - aber nichts regt sich. Etwas Geduld müssen Naturforscher eben mitbringen - genau wie Weinliebhaber.

Veranstalter: Bürgerverein Limperich, Biologische Station Bonn, Umweltdezernat Bonn

Gefundene Arten: 251

Besonderheiten: Reisquecke (Leersia oryzoides). Rüben Kälberkropf (Chaerophyllum bulbosum)

 

 

Bürgerverein Limperich e.V.: Jürgen Weber-Kölln Küdinghovener Str. 138  53227 Bonn  Tel. 0228 . 4299 099