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Projekt Weinberg
General Anzeiger Samstag/Sonntag, 15./16. Mai 2004
Bürgerverein Limperich und Biologische Station Bonn wollen den alten Weinberg rekultivieren.
Bürger sollen Patenschaften für die Reben übernehmen. Letzte Ernte vor 50 Jahren
Von Silke Elbern
LIMPERICH. Eigentlich hätte Maximilian Breuer seinen Weinflaschen damals ein besonderes Etikett aufkleben können.
Denn bis heute sind sich die Bürger einig, dass der Landwirt, Gastronom und Begründer des LiKüRa-Karnevals den nördlichsten Weinberg des Rheinlands besaß. Manche Zungen behaupten aber auch, dass ein Warnhinweis am Flaschenhals besser gewesen wäre: Vorsicht trocken! Trotzdem fand der "Limpericher Finkenberg" in der Nachkriegszeit reißenden Absatz. Auf seinen Rebhängen ließ Breuer Trauben der Sorte Müller- Thurgau und Blauer Portugieser wachsen. Mit seinem Hobby folgte er einer jahrhundertealten Tradition. Denn die Limpericher gingen ab 922 diesem Erwerb nach. Die letzte Ernte brachte Breuer 1954 ein. 50 Jahre später will nun der Bürgerverein Limperich den alten Weinberg, der von Finkenbergstraße und Weinbergweg begrenzt wird, rekultivieren.
"Wir haben uns seit 20 Jahren für die FreihaItung der Fläche eingesetzt, da sie für die Ökologie des Gebietes wichtig ist" , sagt der neue Vorsitzende des Bürgervereins, Kar! Wengenroth. Vorgänger Hans-Heinz Schneider, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste, habe viel zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen. So blieb die Fläche frei von Bäumen und größeren Straucharten. Das insgesamt 5000 Quadratmeter große, städtische Areal steht als Weinbergbrache unter Landschaftsschutz. 1992 wurden auf 2000 Quadratmetern der Brache drei Trassenmauern wiederhergestellt.
"Wir wollen künftig zu bestimmten Themen Arbeitsgruppen im Verein bilden, in denen auch Nichtmitglieder ihren Sacherstand einbringen können", meint Wengenroth. Eine solche ist die Arbeitsgruppe Weinberg, die Vereinsmitglied Franz Deiters leitet. "Bis jetzt sind wir acht Leute, wir hoffen aber auf weitere Mitstreiter", sagt Deiters. Die Gruppe ist bereits in Vorleistung gegangen und hat den Aussichtspunkt am ehemaligen Tanzplatz entbuscht und planiert. Nebenbei konnte die Biologische Station Bonn zur Mitarbeit gewonnen werden. "Wir können das Projekt alleine nicht stemmen", meint Wengenroth. Gemeinsam wollen Biologische Station und Bürgerverein den historischen Weinberg auf einer "händelbaren Fläche" wieder anlegen. Nicht zum gewerblichen, sondern zum Nutzen der Ortsgeschichte also.
Die Bürger sollen sich mit Patenschaften für die Reben in das Projekt einbringen. Die Stadt steht den Plänen positiv gegenüber. "Die extensive Bewirtschaftung dient dem Biotop Finkenberg", sagt Detlev Langhans, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde. Auch finanzielle Unterstützung schließt er nicht aus: "Wir werden versuchen, das über die Biologische Station laufen zu lassen." Dann würde die Stadt den EigenanteiI von 20 Prozent leisten, das Land übernehme 80 Prozent. "Es gibt aber keine zusätzlichen Gelder für die Station, sondern die Mittel würden durch Umschichtung im noch zu beschließenden Haushaltsplan frei", erklärt Langhans. Voraussetzung dafür sei ,allerdings der Fortbestand der Biologischen Station
Neben dem Weinberg soll eine Streuobstwiese mit Sorten wie Rheinischer Schafsnase oder Berlepsch entstehen. Zwischen den Weinstöcken wollen die Organisatoren alte Kulturpflanzen mit den klingenden Namen Milchstern, Wilde Tulpe, Mauerpfeffer oder Ehrenpreis ansiedeln. Bliebe noch die Trau.benwahl. "Das werden Weißer Elbling, Riesling und Spätburgunder sein", sagt Langhans. Und vielleicht ist nach der ersten Ernte ja sogar der Warnhinweis am Flaschenhals überflüssig.
Weinberg-Interessierte können sich bei Franz Deiters, telefonisch unter 0228/ 46 04 46 melden.
Bürgerverein Limperich e.V.: Jürgen Weber-Kölln Küdinghovener Str. 138 53227 Bonn Tel. 0228 . 4299 099