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Weinanbau hat auch mit Ortsgeschichte zu tun
Bürgerverein Limperich beginnt mit zehn Helfern mit der Säuberung auf dem Finkenberg. Bei der Rekultivierung der Terrassen muss die Stadt Unterstützung leisten
General Anzeiger vom Mittwoch 09.06.04: Von Ann-Kathrin Akalin
Unter undurchdringlichem Gräser- und Strauchbewuchs verbergen sich die steinernen Zeugen der früheren Nutzung des Grundstücks zwischen Finkenbergstraße und Weinbergweg: Vier alte Terrassenmauern und ein einziger Weinstock sind unter dem Grün verborgen und erinnern daran, dass hier bis vor 50 Jahren ein Weinberg existierte. Zehn Mitglieder des Bürgervereins, der das Projekt der Rekultivierung des alten Weinberges vorantreibt (wir berichte-ten), trafen sich gestern zum ersten Arbeitseinsatz auf dem städtischen Grundstück. Die engagierten Helfer machten sich mit Heckenscheren, Rechen und Schubkarren daran, das Gelände begehbar zu machen und die wärmespeichernden historischen Mauern von Efeu-Bewuchs zu befreien, typische Gewächse dagegen aber zu erhalten.
"Wir sind auf einem guten Weg", freute sich der Vorsitzende des Bürgervereins, Karl Wengenroth, über die erfolgreiche Aktion, die in regelmäßigen Abständen wiederholt werden soll. Das Interesse an dem Projekt und der Wunsch, hier wieder Wein wachsen zu sehen, seien sowohl im Verein als auch darüber hinaus so groß, dass man mit der Säuberungsaktion schnell habe starten wollen. "Viele Leute fragen an, ob sie Anteilsscheine kaufen können", berichtet Wengenroth, und das seien nicht nur Limpericher. Die letzte Traube wurde hier 1954 geerntet, im Herbst könnten wieder die ersten Rebstöcke auf der historischen Weinbergbrache wachsen. Bei dem Projekt, bei dem der Bürgerverein mit der Biologischen Station Bonn zusammenarbeitet, gehe es nicht in erster Linie um das einmal zu erwartende Ergebnis, den Wein, sondern es handele sich um einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung historischer Zeugnisse, Limpericher Ortsgeschichte. In der ersten Erwähnung Limperichs aus dem Jahr 922 sei bereits der Weinbau urkundlich erfasst worden, betonte der Vorsitzende des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn Rechtsrheinisch, Carl Jakob Bachem, der gerade dabei sei, die Geschichte des Finkenbergs inklusive der Burganlage aufzuschreiben.
Neben dem Weinberg soll eine Streuobstweise entstehen, die den Übergang zur Limpericher Burg herstellen soll. Ziel sei ein ökologischer Gesamtkomplex. Während sich der Bürgerverein die Pflege des Weinbergs auf die Fahnen geschrieben hat, soll sich um den zu erwartenden edlen Tropfen ein Winzer kümmern. "Unser Anliegen ist es, dieses von der Historie und der Ökologie her so hochinteressante Gebiet für die Limpericher zu erhalten," so Wengenroth. Allein könne man die notwendige Rodung aber nicht bewältigen. Hier sei jetzt die Stadt am Zuge, das 5 000 Quadratmeter große Gelände von Gräsern und Sträuchern zu befreien. Dass das Areal als Weinbergbrache erhalten werden soll, sei bereits im Landschaftsplan festgeschrieben.
Bürgerverein Limperich e.V.: Jürgen Weber-Kölln Küdinghovener Str. 138 53227 Bonn Tel. 0228 . 4299 099