Das letzt Weinfest ohne eigenen Wein:
Limpericher feiern bei Kaiserwetter am Aussichtspunkt auf dem
Finkenberg.
75 Rebstöcke gepflanzt. Eine Flasche Rotwein für jeden
Anteilseigner.
(von Thomas Thiel im General
Anzeiger am 11. Oktober 2005)
Das einzige, was auf dem Finkenberg etwas fehl am
Platze wirkte, waren die weiß-grünen Zeltdächer über den Bierbankreihen. Die
Vorsorge der Organisatoren gegen eventuelle Regengüsse erwies sich
glücklicherweise als unnötig: den Besuchern des Limpericher Weinfestes
präsentierte sich der Altweibersommer von seiner schönsten Seite. Bei bestem
Wetter hatte der Bürgerverein (BV) Limperich auf die Aussichtsterrasse des
Finkenbergs eingeladen, um den Fortschritt eines besonderen Projekts zu
feiern: die Reaktivierung des Finkenbergs als Weinberg.
"Die ersten Weinreben stehen schon!" verkündete BV-Vorsitzender Karl
Wengenroth in seiner Begrüßungsrede. Er hatte allen Grund, stolz auf das
bisher Erreichte zu sein. Die Rekultivierung des Finkenbergs war und ist
nämlich alles andere als ein Zuckerschlecken: So kann der Berg zwar auf eine
lange Weinanbau-Tradition zurückblicken - die erste urkundliche Erwähnung
stammt aus dem Jahre 922 - seine Anbaufläche, die sich über fünf Terrassen
vom Fuße bis zur Spitze des Hügels erstreckt, lag jedoch seit fünfzig Jahren
brach. Die Verwilderung des Areals war die natürliche Folge: Die alten
Basaltmauern, die die verschiedenen Terrassen stabilisierten, verfielen im
Laufe der Jahre, Gestrüpp überwucherte die Anbaufläche. Sogar der
angrenzende Wald machte sich auf der zweithöchsten Ebene breit.
Mit dieser Verwilderung war nun im vergangenen Jahr endgültig Schluss, als
der BV Limperich die Wiedergeburt des Finkenbergs als Weinberg in Angriff
nahm. "Die Idee, auf dem Finkenberg wieder Wein anzubauen, war ursprünglich
eher ein Jux", meinte Wengenroth. Aus diesem Jux entwickelte sich jedoch ein
Projekt, das die Mitglieder des BVs in der Folge mit viel Engagement
vorantrieben. Zwischen fünf und fünfzehn "Aktivisten", wie Wengenroth sie
nennt, arbeiteten in ihrer Freizeit daran, den Finkenberg wieder bebaubar zu
machen. Hans Prill, ein "Aktivist der ersten Stunde", zählte die
Arbeitsschritte auf: "Als erstes haben wir die Fläche gerodet, dann
bestellten wir das Feld, setzten die Weinreben ein und stellten die
Trockenmauern wieder her." Die Rebstöcke stammen von der Ahr, Sorte
"Spätburgunder Regent".
Fertig sind die Hobbywinzer am Finkenberg jedoch noch lange nicht. Bisher
ist lediglich ein Streifen der untersten Terrasse bepflanzt. Zu den bisher
75 Reben sollen im nächsten Schritt hundert weitere eine Ebene höher
dazukommen. Wengenroth hat auch schon das Fernziel vor Augen: "Das Ziel
unserer Bemühungen ist es, von unten bis zum Aussichtspunkt einen
durchgängigen Streifen mit Weinanbau zu betreiben." Gewinn soll der Anbau
nicht abwerfen. Aber jeder Bürger kann wie bei einer Aktiengesellschaft
einen Anteil am Weinberg erwerben, wobei in diesem Fall ein Anteil gleich
ein Rebstock ist. Lohn der Investition: jedes Jahr eine Flasche Rotwein vom
eigenen Weinstock.
Auf dem Weinfest fand die Idee der "flüssigen Aktie" großen Anklang. "Wir
haben schon über dreißig Anteilsscheine verkauft. Die finden reißenden
Absatz", berichtete Jürgen Weber-Kölln, der Schriftführer des BVs, erfreut.
Kein „römisches Besäufnis“ im nächsten Jahr
(Schaufenster 19. Oktober 2005)
Limperich (GS). - Zu seinem zweiten Weinbergfest hatte der
Bürgerverein Limperich am Finkenberg oberhalb der Weinbergterrassen
eingeladen. Bei Stimmung und guter Laune führten die Mitglieder des
Bürgervereins, an ihrer Spitze Karl Wengenroth, das Fest zum Erfolg.
Mit seinen Weinliedern stimmte der MGV Loreley in das Fest ein.
Heimatdichter Paul Schwakenberg erfreute mit seiner Lesung "Sieben Berge,
die Menschen und der Wein". Und die Führungen über die Terrassen und dem neu
angelegten Weingarten machten deutlich, mit welcher Begeisterung sich die
Mitglieder des Bürgervereins sich der neuen Gestaltung des jahrhunderte
-alten Weinberges angenommen haben. Schon in einem Jahr soll die erste
Traubenlesen nach einer Ausfallzeit von 50 Jahren beginnen.
Damals hatte der unvergessene Maximilian Breuer die letzte Ernte
eingefahren. Seitdem war sich der Weinberg, der schon im Jahr 922 n. Chr.
urkundlich erwähnt worden war, selbst überlassen.
Ein Rückblick auf die alte Weinbergs- Tradition war für den Bürgerverein
Grund genug, den Weinanbau wieder aufleben zu lassen. Er scheute keine Mühe,
die Überwucherung zu beseitigen und die ersten 75 Rebstöcke zu setzen. Noch
sind die Mitglieder des Bürgervereins nicht an ihrem Ziel. Neben einer
fachgerechten Gestaltung des Rebenanbaues sind weitere Rodungen für den
freien Blick vom Berg ins Tal vorgesehen.
Nach der mit Spannung erwarteten ersten Ernte im kommenden Jahr, so meinte
Vorsitzender Wengenroth, werde es jedoch kein "Römisches Besäufnis" geben.